Quelle: Märkische Allgemeine, 08.07.2003

Traditionelles Kartoffelfest in Welsickendorf fand wieder großen Zuspruch
Marketing mit Puffern

RALF LÜDEMANN

WELSICKENDORF Solch ein Gedränge hat der Speisesaal in der Agrargenossenschaft Welsickendorf wohl nur selten gesehen. In langer Schlange und trotzdem bei guter Stimmung warteten am Sonnabendmittag hunderte von Gästen auf ihre Portion Kartoffelpuffer oder Pellkartoffeln mit Quark. "So voll war es noch nie", freute sich Wilfried Krieg, der Vorsitzende der Agrargenossenschaft.

Seit mehreren Jahren begehen die Welsickendorfer Bauern den Beginn des Kartoffelrodens mit einem Fest, das möglichst viele Einwohner der Umgebung für den Erwerb der Knollen von den fruchtbaren Flämingböden interessieren soll.

Auf etwa 250 Hektar hat die Genossenschaft in diesem Jahr Kartoffeln angebaut. Die Erträge sind beachtlich und können unter Beregnung bis zu 600 Dezitonnen je Hektar erreichen, das ist rund das Doppelte des brandenburgischen Landesdurchschnittes.

Etwa die Hälfte der Ernte wird zu Stärke verarbeitet, die andere Hälfte gelangt als Speisekartoffeln zu den Verbrauchern, und die Welsickendorfer Genossenschaft bemüht sich, einen möglichst großen Teil davon direkt zu vermarkten. "Wir wollen, dass die Handelsspanne bei uns bleibt", sagte Wilfried Krieg. Das alljährliche Kartoffelfest ist einer der Wege zu den Kunden, und die Agrargenossenschaft wird das große Kartoffelessen in ihrem Saal auch in den kommenden Jahren ausrichten - obwohl die Veranstaltung für sich genommen ein Zuschussgeschäft ist.

Der Kartoffelanbau ist für die Bauern gerade auch vor dem Hintergrund der EU-Agrarpolitik interessant, denn er wird nicht reguliert. Damit bleibt diese Kultur von den aktuellen Querelen um die EU-Agrarreform unberührt, und das ist für den Welsickendorfer Betrieb mit seinen 370 Milchkühen und großen Anbauflächen von Getreide, Raps und Mais nicht unwichtig. "Bei den Kartoffeln hat sich bisher noch kein Politiker eingemischt, der Anbau wird nicht subventioniert, hier wirkt nur der Markt", erläuterte der Vorsitzende der Genossenschaft.

Der Markt - das waren am Sonnabend die Gäste aus Nah und Fern, die zum Schauen, Kaufen und Essen gekommen waren. Am Donnerstag hatte das Roden der frühen Sorte "Solist" begonnen, und am Sonnabend früh wurden noch die Kartoffeln aus der Erde geholt, die beim Fest zubereitet und verkauft werden sollten. Zehn Mitarbeiter der Genossenschaft hatten dann über die Mittagszeit mehrere Stunden lang alle Hände voll zu tun, den Appetit auf die frisch zubereiteten Kartoffelgerichte zu stillen. Drei weitere kümmerten sich auf dem Hof um den Verkauf von Kartoffeln und anderen Agrarprodukten.

Informationsmaterial über Kartoffelsorten und natürlich auch originelle Kartoffelrezepte rundeten das Angebot des Festes ab.

So mancher, der erst am Abend oder am folgenden Sonntag an den Termin erinnert wurde, bedauerte, dass er diesmal die köstlichen Puffer und die gute Stimmung im Saal verpasst hatte. Doch der nächste Sommer bringt ja wieder ein Kartoffelfest.